Herausforderungen der digitalen Welt im Homeoffice

Homeoffice digital

Herausforderungen der digitalen Welt im Homeoffice

Hundertausende Berufstätige sind durch die Folgen und Notwendigkeit der Maßnahmen hinsichtlich Corona/Covid-19 bereits seit Wochen im „Homeoffice“.
In den ersten Tagen erschien es dem Einen oder Anderen – unabhängig von der Gesamtsituation – als Segen. Kein „zu-spät-Kommen“ mehr, keine überfüllten, öffentlichen Verkehrsmittel oder überfüllte Straßen. Keine Staus und die damit verbundene Aufregung. Klingt ja erstmal paradiesisch, oder?

Arbeiten im Homeoffice: Fluch oder Segen?

Im Homeoffice ist man HerrIn über die Zeit. Ein ausgiebiges Frühstück, gern mal etwas länger und dann an den Arbeitsplatz – oft am selben Tisch.
Auf den ersten Blick erscheint es so, als könne man im Homeoffice viel Zeit, Aufwand und Stress einsparen. Das stellt sich allerdings schnell als Trugschluss heraus: Hat man den Arbeitsplatz zuhause eingerichtet, gilt es nun, sich zu organisieren. Hier tauchen bereits die ersten Herausforderungen auf: Die herkömmliche Arbeitsplatzstruktur ist nicht vorhanden. Eigenständigkeit, Eigenverantwortung, Selbstorganisation und Selbstmotivation sind nun gefragt.
Keiner kontrolliert – auch, wenn man dies zuerst als angenehm betrachtet – ob, wann und wie lange man produktiv ist. Es gibt keine Kontrolle, keine festen Abläufe – jedenfalls nicht so wie gewohnt! Warum? Weil der direkte Kontakt zu Kollegen und Kolleginnen und Vorgesetzten fehlt. Die Unverbindlichkeit, wann was getan wird bzw. werden muss, ist nun einem selbst überlassen. Eine sehr große Anforderung an die Selbstdisziplin, Eigenverantwortung und Abschätzung bzgl. der Zeitkontingente.

Die digitale Welt im Homeoffice: Kommunikationskiller und Ablenkungsgefahr

Der oft sehr wichtige direkte Austausch – sei es bezüglich fachlicher, berufsbezogener Aspekte oder der ebenso wichtige kurze zwischenmenschliche Dialog – fällt weg. Klar:  Skype, Zoom, Facetime und Co. stehen stets parat. Eine WhatsApp-Message ist schnell geschrieben, und auch Telefonkonferenzen und Telefongespräche sorgen für Kommunikation.
All diesen Maßnahmen wohnt jedoch ein großes Risiko inne: die Ablenkung. Wer sich schon für die Kommunikation vom Homeoffice aus am Laptop befindet, der ist nur wenige Klicks von Social-Media-Kanälen entfernt. Schnell taucht man ab in die Welt des schnellen Konsums. Hier noch fix einen Blick auf die „latest“ News geworfen, dort noch parallel die Suche nach neuen Accessoires oder der nächsten Netflix-Serie. Aus einem kurzen “Ausflug”, werden oft mehrere Stunden. Die vielen Ablenkungen sorgen dafür, dass die gefühlte Arbeitszeit sich oft unnötig in die Länge zieht.

Newsticker: Taktgeber oder tickende Zeitbombe?

Aber nicht nur die quantitative Folge in Form von Zeitverlust stellt hier ein Problem dar, sondern auch die Qualität dessen, was wir auf unseren kleinen Abstechern an Informationen aufnehmen. Die nebenbei aufgenommen News aus Instagram, Facebook & Co., und vor allem die Nachrichten, überlasten bzw. überfordern uns oft mental. Heutzutage ist es uns möglich, überall und zu jeder Zeit up-to-date zu sein. Dem Menschen kommt dadurch eine Informationsflut zu, wie noch nie zuvor. Leider sind die Inhalte dieser Nachrichten meistens nicht nur negativ gelagert, sondern wiederholen sich auch ständig. Noch nie gab es so viele Nachrichtenportale und Newsticker wie heute. Noch nie gab es so viele Menschen mit negativen Gemütsverstimmungen, die bis hin zur Depression oder einem Burnout reichen.

Der Informationsüberfluss als Auslöser?

Gibt es hier vielleicht einen Zusammenhang? Gerade in der jetzigen Situation werden wir überflutet von Informationen bzgl. der Corona-Pandemie. Man kann sich kaum den Schlagzeilen entziehen: Wie viele Infizierte gibt es heute? Wie lange wird die Krise voraussichtlich dauern? Was passiert eigentlich danach? Wie schlimm wird der wirtschaftliche Absturz werden? Wie gefährdet ist meine eigene Gesundheit? Ist meine Existenz bedroht? Wer kann die Probleme und Gefahren beseitigen? Und zu guter Letzt: Wer ist jetzt eigentlich für die Krise verantwortlich?

Das Einzige, was wir wissen, ist, dass wir nichts wissen. Hilflosigkeit und Abhängigkeit von dargereichten „Fakten“ ist der Status Quo. Direkt und jederzeit abrufbar. Auch hier wird ersichtlich, dass direkter und persönlicher Austausch mit Gleichgesinnten wünschenswert wäre. Oft ist man mit den Problemen und Sorgen allein. Langsam nimmt man die Vorzüge des ursprünglichen Daseins einer betrieblichen Umgebung wertschätzend wahr. Mittags einen Spaziergang, allein oder mit Kollegen – Abwechslung und Ablenkung.
Des Weiteren ist das Homeoffice den Anforderungen oft nicht gewachsen, weder technisch noch räumlich. Es fehlt an notwendigem IT-Equipment sowie an Platz für Akten, Unterlagen etc. Der Küchen- oder Esstisch ist hierfür jedenfalls ungeeignet. Ergonomische Möbel oder Vorrichtungen: Fehlanzeige.

Krisenherd „Zuhause“: Familienleben und Arbeit am selben Ort

Eine weitere Herausforderung stellt das soziale und familiäre Umfeld dar. Die Trennung von Beruflichem und Privatem ist in den meisten Fällen nun nicht mehr möglich. Auch dann, wenn ein separates Arbeitszimmer vorhanden ist. Das Umfeld muss erkennen und akzeptieren, dass man nicht für Haushaltsaufgaben, Spielen oder Smalltalk zur Verfügung steht – trotz räumlicher Anwesenheit. Dies fällt den meisten schwer – absolut verständlich! Der Drang ist groß, jetzt, da man zuhause ist, mit den Kindern zu spielen. Wann hat man wieder die Gelegenheit dazu? Oft sind die Arbeitsaufträge nicht so attraktiv und motivierend, da macht das Herumtollen mit den Kids, das verlängerte Frühstück, das Genießen der Frühlingssonne und sogar der Haushalt mehr Spaß. Es merkt und sieht ja sowieso niemand, wenn man den Vormittag anderweitig nutzt. Die Arbeitszeit ist ja flexibel. Dann wird eben abends länger gearbeitet.

Kurz: Freizeit, Arbeit und Privates verschmelzen. Oft auf Kosten der körperlichen und mentalen Regeneration. Häufig verbringt man im Homeoffice mehr Zeit vor dem PC, als im Büro – zeiteffizientes Arbeiten ist das nicht! Erschwerend kommt gerade jetzt hinzu, dass auch der/die PartnerIn im Homeoffice arbeitet, ebenso die Kinder – “Schule 2.0.”. Räumliche Beengtheit, hohes Ablenkungsrisiko, erhöhte Lautstärke und kaum Rückzugsmöglichkeiten sind die Folgen. Auch diese Punkte stellen uns alle nun vor Herausforderungen, auf die kaum so richtig gut vorbereitet ist. Für alle ist die jetzige Situation sprichwörtliches Neuland. Und genau das wird einem nun wirklich bewusst.

Damit Sie sich all diesen Herausforderungen stellen und sie meisten können, hier meine Tipps für Sie:

7 Tipps für den Umgang mit den Herausforderungen im Homeoffice:

Planung und Aufgabenmanagement

Legen Sie feste und verbindliche Arbeitszeiten und Aufgaben fest. Diese Zeiten sollten sich an der herkömmlichen Arbeitszeit orientieren und mit festen Inhalten (to-dos) versehen werden.

Kommunikation und Abstimmung

Besprechen Sie Ihre Arbeitszeiten, Regeln und Notwendigkeiten mit allen Personen, mit denen Sie Ihren Wohnraum teilen. Regeln helfen dabei sicherzustellen, dass Konflikte vermieden werden. Legen sie fest, wann Sie nicht gestört werden wollen und erklären Sie das auch – dies ist vor allem wichtig, wenn Sie bei Kindern für Verständnis werben müssen.

Ablenkung vermeiden

Legen Sie sich Zeiten fest, in denen Sie sich bewusst ablenken. Beispielsweise nur 2x täglich Social Media. Reduzieren Sie den Konsum von Nachrichten. Erstens sind diese meist ausschließlich negativ und stetig wiederholend, zweitens können Sie die Tatsachen nicht ändern oder umfassend beeinflussen. Eine „idealer“ Cocktail für schlechte Gedanken, unproduktive Stimmung und Niedergeschlagenheit. Meiden Sie daher Nachrichten, und wenn Sie dennoch das Gefühl haben, informiert sein zu müssen: dann an einem Tageszeitpunkt, der idealerweise nicht direkt vor dem Schlafengehen ist, denn sonst nehmen Sie die schlechten Gedanken mit ins Bett – keine schöne Vorstellung.

Arbeitsplatz

Richten sie sich einen Arbeitsplatz ein, der Ihren Bedürfnissen entspricht. Sorgen Sie dafür, dass er für Sie bequem und vor allem rückengerecht und ergonomisch ausgerichtet ist. Es muss ausreichend Platz für Arbeitsmaterialien und eine für Sie angenehme Atmosphäre gegeben sein. Sorgen Sie dafür, dass sie nicht gestört werden. Gleichzeitig sollte aber nicht Ihr gesamtes Wohnumfeld zum Büro umfunktioniert werden: Sorgen Sie für eine klare räumliche Trennung.

Ruhezeit

Auch hier ist Disziplin gefragt: Behalten Sie ihre bisherigen Schlafzeiten bei, sorgen Sie dafür, dass Sie 7-8 Stunden Schlaf bekommen und wie gewohnt morgen zwischen 6-7 aufstehen. Disziplin ist hier vor allem abends gefragt: Lange Netflix-Sessions sollten die Ausnahme sein.

Kommunikativer Austausch

Viele merken es gerade jetzt, wie wichtig der direkte Austausch ist. Verabreden Sie sich mit KollegInnen und nutzen Sie diese „Chats“ nicht nur für berufliche Inhalte. Teilen Sie sich mit, sprechen Sie über Ihre Gedanken bezüglich der neuen Situation.
Viele verbinden das Arbeiten im auferlegten Homeoffice oft mit einem Gefühl der Enge, fühlen eine Form der Unproduktivität, die schnell in Unzufriedenheit mündet, fehlende Perspektiven bzgl. der Dauer der „stay at home“-Strategie. Andere fürchten die wirtschaftlichen Folgen, haben Angst um ihren Job. Gerade mit diesem Gedankengut sollte sollte man nicht allein sein – tauschen Sie sich weiterhin aus. Wie so oft, werden die Sorgen geringer, wenn man sie formuliert und ausspricht. Der Kopf wird frei und man fühlt sich unbeschwerter. Ein gutes Gespräch ist durch Nichts zu ersetzen, auch, wenn es derzeit nur aus der Ferne geführt werden kann. Tipps für ein gelingendes Webinar finden Sie hier.

Bewegung

Auch, wenn das Fitness-Studio geschlossen ist, darf dies kein Grund für „no sports“ sein. Täglich mindestens 30 Minuten strukturiertes Training ist das Ziel. An einem Tag home workout (Krafttraining mit Körpergewichtsübungen, Yoga etc.), den anderen Tag Ausdauer an der frischen Luft. Klar – auch dies ist nur ein Behelf, aber man bleibt in Bewegung, gleicht die Arbeit am PC in unbewegter Position aus und hält den Körper fit.

Denn Bewegung und gesunder Lebenswandel bilden die Basis für ein gesundes Immunsystem. Gerade in Corona-Zeiten sollte dies jedem bewusst sein: Prävention und Gesundheit sind der beste Schutz und die einzige – gleichzeitig auch die wichtigste – Maßnahme zur Gesundheitserhaltung. Daher ein letzter Tipp: Der Gesundheitsvorsorge durch das eigene Verhalten zukünftig noch mehr Bedeutung zukommen lassen!
Wenn Sie sich weiter über das Thema gesund arbeiten im Homeoffice informieren wollen, dann schauen Sie doch mal hier vorbei.

Fragen an unseren Experten können Sie hier stellen.