Fünf Lerntechniken für mehr Erfolg

Fünf Lerntechniken für mehr Erfolg

Was sind Lerntechniken?

Lerntechniken sind Verfahren, die Deinen Lernprozess effizienter, leichter und spaßiger gestalten. Mit ihnen kannst Du neues Wissen langfristig abspeichern und auf neue Inhalte anwenden. Es gibt nicht die eine Methode für jeden Menschen, denn jede*r lernt anders. Lerntechniken sind am effektivsten, wenn Du sie auf Dich anpasst und individualisierst. Am besten kennst Du dazu Deinen Lerntyp.

Was passiert beim Lernen?

Um zu verstehen, wie Lernen im Gehirn funktioniert, haben wir zuerst einmal die Grundlagen zusammengefasst: Das Gehirn besteht aus Nervenzellen, die elektrische Signale weiterleiten. Zwischen den Nervenenden liegt ein Spalt, auch Synaptischer Spalt genannt.

Diesen Zwischenraum müssen die Signale schnell und effizient überwinden, damit die Signalweiterleitung reibungslos funktioniert. Dazu wird aus einem elektrischen Signal ein chemischer Impuls. Hinter dem Synaptischen Spalt wird der Impuls wieder zu einem elektrischen Signal und wandert über die Nervenzelle zum nächsten Spalt.

Beim Lernen entstehen neue Verknüpfungen, also neue Synapsen und Spalte zwischen den Nervenzellen. Das Wiederholen des Lernstoffs trägt dazu bei, die Übertragung von einem Nervenende zum nächsten immer schneller und effizienter zu machen: Das bewirkt, dass wir uns besser an das Gelernte erinnern können.

Dein Kopf raucht jetzt schon und Du hast noch gar nicht angefangen zu lernen? Das hier soll natürlich keine Vorlesung werden, die nur Medizinstudent*innen verstehen! Wichtig für Dich ist erstmal nur: Dein Körper muss mit genug Energie und Nährstoffen versorgt sein, damit Dein Gehirn gut arbeiten kann. Ohne ein gut funktionierendes Gehirn wird es nämlich nichts mit dem Lernen!

Du bist gesund, wach und motiviert? Dann starten wir mit den Lerntechniken, die Deinen Wissensdurst effektiver stillen werden!

Wiederholen, wiederholen, wiederholen!

Klingt nach keiner dieser tollen Lerntechniken, oder? Aber Wiederholen muss nicht immer gleich aussehen!

Um Dir die Wichtigkeit von Wiederholung zu verdeutlichen, kommt hier eine Veranschaulichung: Stell Dir den Lernprozess wie eine Wiese mit hohem, saftig grünem Gras vor.

Beim ersten Lesen läufst Du einfach mitten durch die Wiese hindurch. Vielleicht ist Dein Tempo sogar etwas langsamer als gewöhnlich, weil das Gras Widerstand leistet. Schau am Ende mal hinter Dich: Du hast eine Spur aus plattem Gras hinterlassen!

Je öfter Du diesen Weg in Zukunft entlangläufst, desto platter und breiter wird der Pfad dort. Irgendwann ist da gar kein Gras mehr, sondern ein deutlich sichtbarer Trampelpfad. Du kannst nun viel schneller vom Anfang der Wiese zum Ende gelangen.

Jede Wiederholung des Lernstoffes bedeutet ein erneutes Platttreten des Weges. Mit der Zeit ist dieser neue Trampelpfad sehr gefestigt. Vielleicht wird dieser Weg irgendwann sogar zu einer befestigten Straße?

Das funktioniert aber nur, wenn Du regelmäßig wiederholst!

Du kennst bestimmt Bilder von alten, verlassenen Gebäuden. Die Natur hat sich diese Flächen zurückerobert. Genauso verhält es sich mit Deinem kleinen Trampelweg: Er wächst langsam wieder zu und verschwindet irgendwann ganz unter dichtem Gras. Bedeutet für Dein gelerntes Wissen: Es verschwindet wieder, Du vergisst!

Lerntechniken

Die folgenden Lerntechniken werden Dir dabei helfen, den Trampelpfad immer wieder zu gehen. Am besten suchst Du Dir sogar mehrere Methoden aus, damit Dir nicht langweilig wird!

Loci-Methode:

Diese Methode arbeitet mit dem Fakt, dass man sich Bilder und Geschichten einfacher merken kann als trockene Inhalte. “Loci” ist übrigens lateinisch und steht für “Ort”. Das Prinzip ist folgendes:

1. Such Dir bestimmte Punkte an einem Ort aus

Es ist ziemlich egal, ob Du in Deinem Zimmer Punkte aussuchst, auf dem Weg zur Arbeit oder ganz woanders. Hauptsache, Du kannst diese Punkte in Deinem Kopf immer wieder durchgehen. Lauf in Gedanken an ihnen vorbei und merk sie Dir. Das sind quasi Deine Wegweiser.

2. Ordne die Informationen den Punkten auf der Route zu

Angenommen, Du musst Dir merken, wer die Bundeskanzler*innen seit 1949 waren und in welcher Reihenfolge sie dieses Amt bekleidet haben. Dafür kannst Du ihre Namen zum Beispiel den Gegenständen in Deinem Zimmer zuordnen.

Vier Punkte der Route wären dann:

  • Geographie-Buch: Kurt Georg Kiesinger
  • Schreibtisch: Helmut Schmidt
  • Schredder (Aktenvernichter): Gerhard Schröder
  • Schrank: Angela Merkel

 

Achtung: Wir haben die Vorgehensweise nur an einem Teil der Bundeskanzler*innen demonstriert.

Vielleicht fallen Dir ja auch Beispiele für die restlichen Personen ein?

3. Erfinde kleine Geschichten, um Dir die Informationen merken zu können

  • Dein Geographie-Buch (Georg) ist voller Kies (Kiesinger).
  • Ein Helm (Helmut) liegt auf Deinem Schreibtisch (Schmidt).
  • Dein Gepard (Gerhard) will auf den Schredder (Schröder) springen.
  • Du angelst (Angela) einen Merkzettel (Merkel) aus den Tiefen Deines Schranks.

Sag Dir diese Sätze immer wieder auf, bis Du sie im Kopf hast. Lustige Geschichten kannst Du Dir vermutlich besser behalten, daher müssen die Sätze auch nicht unbedingt Sinn ergeben.

ABC-Geschichten:

Eine Weitere der Lerntechniken, die wir Dir vorstellen wollen, ist diese: Du lernst mit Anfangsbuchstaben! Hierfür suchst Du andere Wörter, die mit den gleichen Buchstaben anfangen wie die Begriffe, die Du auswendig lernen möchtest, und bildest aus ihnen eine Geschichte.

Ein bekanntes Beispiel ist dieses:

Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel.

Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun.

Die Pomodoro-Technik:

Von dieser Lerntechnik hast Du vielleicht schon gehört, denn sie gewinnt immer weiter an Popularität. Das Prinzip ist ganz einfach: Statt mehrere Stunden am Stück zu lernen, teilst Du Deine Lernzeit in 25-Minuten-Intervalle ein und konzentrierst Dich in dieser Zeit intensiv auf einen bestimmten Lernstoff. Nach 25 Minuten machst Du 5 Minuten Pause und fängst danach mit dem nächsten Intervall an. Nach 4 Intervallen machst Du dann eine längere Pause von max. 30 Minuten – perfekt, um etwas zu essen oder kurz spazieren zu gehen.

Wenn Dir 25 Minuten nicht reichen, kannst Du auch längere Intervalle einstellen. Pass die Pausen dann aber auch etwas an: zum Beispiel 50 Minuten Konzentration und 10 Minuten Pause.

Falls Du Dich fragst, woher der auf den ersten Blick wenig aussagekräftige Name kommt: “Pomodoro” ist italienisch und heißt Tomate – so wie die Küchenuhr in Form einer Tomate, die von Francesco Cirillo für die ersten Versuche genutzt wurde.

Das Leitner-System:

Bei dieser Lerntechnik arbeitest Du mit 3 Boxen gefüllt mit Karteikarten.

In der ersten Box befinden sich Karteikarten, die neu hinzugefügt wurden. Auf der Vorderseite steht ein Begriff oder eine Frage, auf der Rückseite eine Definition oder Lösung. Beantwortest Du die Fragen richtig, wandern die Karten in die zweite Box. Beantwortest Du sie falsch, landen sie wieder in der ersten Box.

Jede richtig gelöste Karteikarte wandert Richtung Box 3, jede falsch beantwortete oder nicht gewusste Karteikarte kommt zurück in Box 1. So wird falsches Wissen immer wieder korrigiert und fehlendes Wissen aufgebaut.

Die empfohlenen Lernintervalle/Wiederholungen:

  • Box 1: täglich
  • Box 2: alle 2 Tage
  • Box 3: einmal pro Woche

Dieses System eignet sich besonders fürs Vokabeltraining und die kontinuierliche Auffrischung von Wissen.

Schwärzen:

Dieses Verfahren ist ziemlich einfach: Alles, was unwichtig ist, streichst Du weg. So wird aus dem “viel-zu-viel” eine angenehme Menge an Informationen und die Textpassagen, die noch lesbar sind, fassen die Kernaussagen des Textes wie von selbst zusammen! 

Neben dem zu lesenden Text brauchst Du nur noch einen schwarzen Stift. Am besten ist die Miene so breit wie die Buchstaben hoch sind. Lege den ausgedruckten Text vor Dich und lies ihn einmal von vorn bis hinten durch!

Und dann: Lies den Text noch ein zweites Mal. Streiche beim zweiten Durchgang nun alle Sätze oder Satzteile, die für Dich belanglos sind. Sei dabei ruhig radikal, immerhin geht es darum, nur die wirklich wichtigen Informationen herauszufiltern. 

Überprüfe eventuell in einem dritten Lesedurchgang, ob nur noch Kernaussagen lesbar sind. Falls nicht, schwärze nochmal nach!

Falls Du noch Angst vor Endgültigkeit hast, folgen nun zwei Ideen:

  • Nimm zuerst einen Bleistift statt einem schwarzen Marker. Bleistiftstriche kannst Du im Notfall wieder wegradieren
  • Drucke Dir den Text als Ersatzkopie aus und schwärze zuerst dieses Blatt. So hast Du alle – noch so unwichtigen – Informationen gesichert.

Weitere Tipps:

Neben den genannten Lerntechniken findest Du im Folgenden auch weitere Tipps, die Du beim Lernen beachten solltest.

Regelmäßig, aber kurz: Stundenlang am Schreibtisch zu sitzen schadet nicht nur Deinem Rücken, sondern reduziert auch Deine Konzentration. Einmal 5 Stunden und dann tagelang gar nicht zu lernen, bringt deshalb nicht viel. Ebenso bringt es nichts, jeden Tag durchgehend zu lernen. Irgendwann platzt Dein Kopf und es geht Dir gesundheitlich nicht mehr so gut. Besser ist es, jeden Tag ein wenig zu lernen. So vergisst Du den Stoff nicht über die Tage und hast sogar noch genug Zeit, um etwas Schönes zu unternehmen oder draußen etwas Vitamin D zu tanken.

Genügend Schlaf: Innerhalb der ersten 20 Stunden nach dem Lernen solltest Du schlafen. Für Dein Gedächtnis ist Schlaf unverzichtbar, denn im Tiefschlaf reaktiviert Dein Gehirn alles, was Du erlebt hast, um es anschließend zu sortieren. Alles Wichtige landet dabei im Langzeitgedächtnis. Der ultimative Trick ist übrigens, sich die Kernthemen kurz vor dem Schlafengehen noch einmal anzusehen. So merkt Dein Gehirn, was wirklich wichtig ist. Generell gilt: Je besser und erholsamer der Schlaf, desto größer der positive Effekt.

Schwieriges zuerst: Zu Beginn ist Deine Motivation am höchsten und Dein Gehirn noch nicht vollgeladen mit Informationen. Das ist optimal, um Dir die schwierigen Inhalte zu merken. Außerdem hast Du dann den schlimmsten Teil überstanden, sodass der Rest einfacher und schneller abgehakt werden kann.

Zettel aufhängen: Schreib Dir die wichtigsten Informationen oder Wissensbausteine auf Post-its und häng sie dort auf, wo Du sie jeden Tag siehst. Zum Beispiel am Badezimmerspiegel, über dem Bett, am Schrank oder der Tür. Bei jedem Sehen prägst Du Dir den Inhalt noch mehr ein. An Orten, an denen Du öfter vorbeikommst, kannst Du die Zettel aufhängen, deren Informationen Du Dir noch nicht so gut gemerkt hast.

Lernplan: Bevor Du mit dem Lernen anfängst, solltest Du Dir einen Lernplan erstellen. Welche Inhalte möchtest Du lernen? Wann möchtest Du was lernen? Eine Checkliste mit abgehakten Themen hilft Dir nicht nur den Überblick zu bewahren, sondern auch Deine Motivation zu erhalten. Wem gefällt es nicht, zu sehen, wie viel schon geschafft und wie wenig noch zu erledigen ist?!